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Oktoberbericht 2011

Das Malayaka House befindet sich derzeit in vielen kleinen Umbrüchen. Seit Monaten laufen Planungen und Testläufe auf Hochtouren die Fabrik und damit das „Business“ Malayaka zu starten. Nicht minderstolz können wir behaupten, dass mit der großzügigen Spende des Rotary Club in Höhe von 5000€ ein Meilenstein für den Startschuss der Malayaka Farm aus dem Projekt in Deutschland entstammt. Dank Jessi konnten wir diesen Sponsor für das große Vorhaben gewinnen. Mittlerweile gibt es nun endlich die „milling machine,“ Kühe sind schon da und die Farm wächst und gedeiht auf Tony´s Grundstück. Demnächt wird das Gelände zur Großbaustelle, wenn die Farm ihr endgültiges Gesicht erhält und die „milling machine“ ein eingekleidetes Häuschen

Was einst ein Projekt war, wird dank Carolin und Sophie nun also ein Verein, wie wir alle wissen. Das wird uns allen helfen deutlich struktureller und zielgerichteter zu arbeiten und das Netzwerk in Deutschland zu optimieren.

Meine Aufgabe besteht in der Praktikantenbetreuung. Mit Leo haben wir unseren ersten Praktikanten auch vor Ort. Ist er auch weniger auf die Arbeit mit den Kindern spezialisiert, so kommt er hervorragend mit ihnen aus und kann darüber hinaus mit seinen Fähigkeiten als Schreiner glänzen. Robert ist unendlich dankbar, denn grade im Moment wird viel gebaut und seine Ideen und Umsetzungen sind Gold wert. Tische und Bänke, Türen und Regale, sowie das Streichen der einzelnen Zimmer und die Mitgestaltung der Farm gehören zu den Einsatzgebieten von Leo. Er ist ein absoluter Volltreffer und arbeitet wie ein Besessener, vorrangig nachts. Wir können alle stolz und dankbar auf unseren ersten Praktikanten sein. Wenn es noch zu schaffen ist, so entsteht gar noch ein Kinderspielplatz im Garten des Hauses, den Leo bereits konzipiert hat. Die Aunties sind froh ihn zu haben, Robert ist begeistert, Tony ebenso und ich habe ihn als vorbildlichen Vertreter für unser Vorhaben kennengelernt, vielmehr sind wir in 2 Wochen zu Freunden geworden und haben enorm viel bewegen können.

Von besonderem Interesse sind 3 wesentliche Veränderungen, die vor Ort stattgefunden haben und die in erstaunlichem Teamwork innerhalb von 10 Tagen aus dem Boden erwachsen sind. Jeder, der schon einmal vor Ort war weiß, wie viel dort bewegt wird. Doch immer wieder bewegen viele Leute parallel Dinge, die einfach ein wenig mehr Struktur für deutlich mehr Effizienz benötigten. So haben wir uns um drei Bereiche gekümmert und ihnen ein wenig mehr Übersicht verschaffen:

  1. Das Business Team

    Die Maschinen stehen derzeit still. Nichts wird produziert. Dafür werden alle Räume saniert und Produktionsverbesserungen vorgenommen. So ist für den Käsebetrieb ein extra Raum geschaffen worden und Robert hat eine große Kochplatte besorgt, mit dessen Hilfe zunächst doppelt so viel Käse produziert werden kann. Hinzu kommt die Rückkehr der Gefriertruhe und ein Einpacksystem, in dem der Käse in 1-Kilo-Einheiten verpackt und demnächst verkauft wird. Die Bäckerei ist fertig erbaut, der Ofen in Betrieb und das Häuschen in Farbe getränkt. Neben Brot kann jetzt auch die Herstellung von Crackern, Pizzen und Törtchen beginnen, die Jacinta bei Julio erlernt hat, der weiterhin zu Schulungszwecken noch ins Malayaka House kommt und neue Ideen einbringt.

    Wenn alles fertig saniert ist, soll es zum erneuten Produktionsstartschuss kommen. Hierfür haben wir mit Namatov, Kato (der wieder zurückgekehrt ist) und Tony ein ugandisches Team eingesetzt, das sich um den Ablauf und die Buchhaltung kümmern wird. Meine Aufgabe bestand darin, dem Produktionsablauf einen Wochenplan zu erstellen und somit eine Übersicht über die Abläufe zu geben. Ziel wird es sein, an 6 Tagen je vormittags zu produzieren. Laut Plan steht derzeit die Vorstellung montags, mittwochs und freitags zu backen und dienstags, donnerstags und samstags den Käse herzustellen. Die Aunties werden zusätzlich als Hilfskräfte eingearbeitet. Am Ende sollen für sie Bonigehälter rausspringen und alle anderen sind Angestellte des Malayaka House und erhalten eine Anstellung.

    Darüber hinaus wird der Craft-Shop umgestaltet und saniert. Auch hier soll Jacinta eingearbeitet werden, nachdem Carol ja nicht mehr Dora zu Seite steht. Wie die Produktion im Einzelnen hier verläuft und wer welche Waren verkauft und auf welchem Weg ist noch ein wenig unschlüssig, da mit den USA, Spanien und Deutschland 3 Märkte fast schon konkurrieren, denn wir kommen derzeit mit der Herstellung den Anfragen nicht hinterher. Fakt ist, es soll nur noch so laufen, dass Waren zu festgelegten Preisen im Malayaka House gekauft werden und dann verkauft werden können. Das Geld wird demnach vorgestreckt. Wer also wieder vor Ort ist und etwas haben möchte, der zahlt den Warenwert zunächst, verkauft die Ware und sollte er sie teurer verkaufen als er sie eingekauft hat, entstehen gar noch Mehreinnahmen, die dann auf den Konten der einzelnen Organisationen landen können.

    Wir haben jetzt also eine Struktur, ein Team, einen Plan und verbessertes Equipment und jede Menge Euphorie – ihr solltet die Malayakaner derzeit mal sehen – es sieht aus wie ein Land der Heinzelmännchen.

  2. Die Wochenpläne

    Mein Hauptaugenmerk lag auf der Erstellung von Plänen für die Gestaltung des Alltags der Kinder. Obwohl bereits vorhanden, sind die ausgearbeiteten Pläne in den Sphären des Hauses vergraben. Somit habe ich eine Infoecke erstellt im Guest House für alle Volontäre aus aller Welt. Hinzu gibt es ein Infoordner mit zusammengefassten Fakten über den Alltag der Kinder und Vorschlägen, wie man mit ihnen arbeiten kann, sowohl in als auch außerhalb der Schulzeit. Es gibt ein Buch für Volontäre, in das sie sich eintragen möchten, wenn sie mit den Kindern individuell Lesen, damit jeder Volontär weiß, was die Kinder üben müssen. Weiterhin gibt es die große Schautafel für die Mercy Girls, um deren Leseaktivitäten festzuhalten, die von Carolin und Sophie angefertigt wurde.

    Wir haben es geschafft, für die Schüler bis P2 einen Wochenplan zu erstellen, der jeden Tag mit Aktivitäten füllt und sie aus dem Haus bringt. Volontäre helfen dabei, diesen Plan zu erfüllen. Dieser ist an der Wand des Guest House zu finden und dem Infobuch für Volontäre. So gibt es jetzt 2mal/Woche Sporteinheiten, 1mal Spielplatzausflug und 2mal Lese- und Spielnachmittage. Hinzu kommen die Safaris samstags. Die Mercy Girls behalten ihren Filmabend, der zu Lerneinheiten mit Fragestellungen und Filmprojekten ausgeweitet werden soll. Zusätzlich erhalten sie Lesetraining sonntags und für die Ferien wird an einem Erweiterungsplan gearbeitet.

  3. Die Volontäre der GSSU

    Ein wichtiger Bestandteil der Volontärsarbeit, gerade von deutscher Seite, ist die Zusammenarbeit mit den Volontären der GSSU. Nicht nur, weil sie dem Malayaka House helfen, sondern auch weil wir uns alle ihnen verbunden fühlen durch unser eigenes Engagement im Verein von Anke und Marcel. So habe ich mich mit ihnen zusammengesetzt und gemeinsam mit Anne wollen wir ihnen weiterhin jede Hilfe anbieten, auch über die Arbeit im Malayaka House hinaus. Einige von ihnen sind involviert in die Arbeit mit den Malayakanern und für Robert sind sie die zuverlässigsten Kräfte. Sie helfen uns bei der Erfüllung der Tagesstruktur, sogar bei der Produktion und sind wie wir selbst gepackt vom Fieber des Hauses. Ich habe in den wenigen Tagen einen durchweg positiven Eindruck von ihnen gewonnen und freue mich über die Zusammenarbeit. Es sind sehr begeisterungsfähige und willige, sowie talentierte Kräfte. Und es stecken bereits Pläne in der Schublade:

    So ist mit der Early Learning eine Neuauflage des German Camps in Planung und eine Weihnachtsfeier steckt in seinen Kinderschuhen.

Ein schwerer Gang

Die wohl größte Veränderung steht dem Malayaka House aber noch bevor und es wird zugleich eine große Herausforderung, die auch die Gründung des ugandischen Business Team, rund um Tony, Kato und Namatov notwendig machte. Robert wird Anfang 2012 wieder wie gewohnt in die Staaten gehen, um zu arbeiten und Spender zu werben. Aber aus privaten Gründen kehrt er diesmal nur kurz nach langen Monaten zurück, um weiter in den USA beschäftigt zu bleiben. Es ist nicht sein Wille, es ist ein Zwang. Er hat 6 Jahre als Volontär gelebt, ohne Gehalt und Rücklagen, hat alles in das Projekt gesteckt und steht nun vor der privaten Zwangslage seiner Familie helfen zu müssen und an seine eigene Zukunft zu denken. Wir haben lange gesprochen und sind als Freunde eng zusammengerückt. Es gibt nur einen Ausweg eine aufkommende Gefahr abzuwenden – nämlich die Gefahr, dass in seiner Abwesenheit vieles zusammenbricht. Der Ausweg ist Robert in seinem eigenen Projekt anzustellen und ihm einen Job mit Gehalt zu geben. Noch stellen sich die Amerikaner quer, aber er versucht eine Umstrukturierung zu erreichen. Die Spanier können hier nicht helfen, da ihre Struktur es nicht zulässt. Daher appelliere ich mit Nachdruck an uns, dieses Problem als oberste Priorität anzugehen. Ohne Robert vor Ort nutzen uns viele Aktionen und Spenden gar nichts, ein großes führungsloses Durcheinander ist die Folge und nicht auszudenken, was in Notlagen passiert, die Robert bislang als einziger im Griff hat durch sein Wissen, seine Erfahrung und sein Netzwerk an Freunden und Bekannten. Wenn der „weiße Mann mit den Hunden“ nicht mehr da ist, ist das Haus auch längst nicht mehr so sicher. Denkt drüber nach und lasst uns hier Robert unterstützen, den Mann, der uns alle die Möglichkeit gegeben hat, an etwas großem Teil zu haben.

Zu guter Letzt gab es auch noch andere berichtenswerte Ereignisse. Nina war so schwer erkrankt, dass wir um ihren Tod fürchten mussten. Bei meiner Abreise war sie aber wieder voller Leben und ganz die Alte. Leider sind in den vergangenen Monaten Tiger, George und nun auch die dreibeinige Katze Boo verstorben. Insbesondere aber auf dem Katzensektor gibt es jede Menge Nachwuchs. Die Kinder sind wohlauf, die Schule sehr zufrieden mit ihnen und die die Babies frech wie eh und je. Auch Mercy taut immer mehr auf. Anne´s Ruthie ist ein Gewinn in jeder Hinsicht für das Haus und sie selbst lebt auf in ihrer neue Herberge. Das Netzwerk mit dem Babies Home, Anna´s Corner und dem Ciao Bella besteht und wächst zusammen. Wie ihr seht, das Malayaka House stellt sich weiterhin jeder Herausforderung und blüht in höheren Sphären. Jetzt wo auch der neue Pool fertig ist, kann das Leben erst recht wieder zur Malayaka Party ausarten. Hoch lebe unsere Bubble Malayaka!